Winzerbrief zum Ausklang des Jahres 2014

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  • 15. November 2014

Liebe Weinfreunde,

die Lese 2014 ist vollendet! In diesen Worten schwingen einerseits meine Begeisterung und andererseits Erleichterung mit über das Mammutprojekt „Weinlese“, das wir in diesem Jahr gestemmt haben. Es galt, neue Herausforderungen anzunehmen und gemeinsam im Team zu arbeiten.Ich kann Ihnen vorab verraten: Die Mühen haben sich gelohnt, denn die Qualitäten sind hervorragend.
Die Weinlese begann auf unserem Hauptweingut in Bretzenheim Mitte September. Der milde Winter, ein warmer und trockener Frühling und ein heißer trockener Sommer hatten der Entwicklung der Trauben sehr positiv zugespielt. Einen herben Rückschlag erfuhren wir dann leider im Juli, als der große Regen einsetzte. Es waren alleine im Juli 187 Liter/qm und in der Summe bis zum Ernteabschluss über 370 Liter/qm, bei sonst üblichen 420 Liter/qm Jahresniederschlagsmenge. In Kombination mit dem guten Blüteverlauf und den warmen Temperaturen führte die große Menge Wasser in so kurzer Zeit zu einer überdurchschnittlichen Beerengröße und damit zu Quetschungen und zum Aufplatzen der Beeren. Der austretende Saft begünstigte frühzeitige Fäulnis und lockte zusätzlich Wespen und Essigfliegen an.

Eine intensive Pflege und zusätzlich das Freistellen bzw. Entblättern der Traubenzone haben uns vor größeren Problemen bewahrt. Die Trauben konnten dank dieser Maßnahmen nach den folgenden Regenfällen schnell abtrocknen.

Mit Grün gegen überschüssiges Regenwasser
Als sehr wertvoll stellte sich auch unser Begrünungskonzept heraus. Noch im Juli säten wir in den bislang offenen Rebzeilen (eine Zeile begrünt, eine unbegrünt) eine Kräuter- und Leguminosen-Mischung ein. Durch das Zusammenspiel von ganzjähriger Dauerbegrünung und einjähriger Kräutereinsaat konnten so erhebliche Mengen an Regenwasser aufgenommen werden. Dies bewirkte, dass der Feuchtigkeitsdruck auf die Beeren nachließ, was wiederum ihrer Fäulnis entgegen wirkte. Und aufgrund des guten Zustands der Trauben konnten wir den Beginn der Ernte bis zum 17. September hinauszögern.

Helfer Bretzenheim

Die Lese in Bretzenheim und Bad Kreuznach erfolgte teilweise per Hand und teilweise mithilfe von Maschinen.

Mission „Aschenputtel“
Unsere 10-köpfige Lesemannschaft war ab dem 23. September täglich im Einsatz, um innerhalb von zwei Wochen die Weinberge „vorzulesen“. Dabei wurden die Trauben mit einer „gesunden Fäulnis“, ausgelöst durch den Botrytis-Pilz, abgeerntet. Die essigbefallenen Trauben wurden entsorgt, die makellosen hängen gelassen. Mit dieser Maßnahme war es uns möglich, die Haupternte in den Premium-Weinbergen noch einmal um zwei Wochen aufzuschieben, um den Trauben die volle Ausreifung ihrer Aromen zu ermöglichen. Und die Mühe und das Warten sollten belohnt werden! In den Top-Lagen Kauzenberg, Krötenpfuhl und Narrenkappe konnten vom 12. bis 16. Oktober bei bestem Wetter gesunde, vollreife Riesling-Trauben geerntet werden.

Die Weinlese in Schleswig-Holstein
Parallel zu dem Trubel auf unseren Flächen am Hauptweingut in Bretzenheim wurde natürlich auch in Grebin die Ernte eingeholt. Es hatten sich wieder zahlreiche fleißige Helfer gemeldet, die bei der Lese halfen. So konnten am 20. September die weißen Trauben und am 4. Oktober die roten Trauben gelesen werden. Besonders erwähnenswert ist dabei die diesjährige Qualität der Solaris-Ernte. Rund 2200 Liter der weißen Trauben konnten geerntet werden – mit einem Mostgewicht von 90 Grad Öchsle! Das ist einer der höchsten Werte, die wir auf unseren Flächen im Norden bisher gemessen haben.

Helfer

Die Helfer der Rot- und Weißweinlese in Grebin bei Plön.

Mein Dank gilt allen Helferinnen und Helfern bei der Weinlese in Nord und Süd. Freuen Sie sich mit uns auf den ersten Wein von den S. J. Montigny-eigenen Anbaugebieten der Nahe-Region, der nächstes Jahr in den Handel kommen wird. Für die festliche Zeit möchte ich Ihnen eine ganz persönliche Weinempfehlung aus unserem Hause geben: James. Ich hatte es mir in diesem Jahr zur Aufgabe gemacht, einen ganz besonderen Wein zu kreieren. James ist unkompliziert und erfüllt zugleich höchste Ansprüche. Ein Wein, der einfach gut schmeckt und zum Essen und Genießen ebenso passt wie zum Feiern und Fröhlichsein. Direkt abgefüllt auf unserem Weingut.

Mit herzlichen Winzergrüßen
Ihr Steffen J. Montigny

Bretzenheim, November 2014