Winzerbrief Mai 2015

  • date
  • 7. Mai 2015

Liebe Weinfreunde,

die Sonne lacht und die Natur blüht auf. Die ersten Monate dieses Jahres bescherten uns an der Mittleren Nahe zunächst viel Regen, teils frostig kalte Temperaturen und dann Trockenheit. Aktuell treiben die Reben aus und zeigen ihr erstes Grün. Jetzt heißt es nur noch: Daumen halten, dass keine Frostnächte mehr kommen.

In den Weinbergen nutzen wir den Frühling, um neue Reben zu pflanzen und vorhandene zu pflegen. So pflanzten wir Mitte April in der Bretzenheimer Pastorei junge Chardonnay-Reben. Diese Südhang-Lage ist prädestiniert für den Anbau der beliebten Rebsorte: ein kalkhaltiger Löß-Lehm-Boden, optimale Wärme und Sonnenschein – genau so liebt es der Chardonnay. Die Pflanzung erfolgte mit einer satellitengesteuerten Pflanzmaschine, die den Reihenabstand von 2,10 Metern und den Stockabstand von einem Meter über ein GPS-Signal errechnet.

Auffällig orange und für den Laien wohl kaum zuzuordnen. Im Großteil unserer Weinberge haben wir Ende April Doppelampullen mit Botenstoffen, sogenannten Pheromonen, ausgebracht, um die Reben vor Schadinsekten zu schützen. Dies ist eine gängige Methode, bei der keine Nützlinge gefährdet werden. In Deutschland wird die Methode seit 1985 zur Bekämpfung des Traubenwicklers eingesetzt. Man nutzt das Verhalten von Insekten bei der Paarung: Die weiblichen Tiere verströmen Pheromone, um männliche Tiere anzulocken. Bringt der Mensch in einem Feld eine höhere Stoffkonzentration (künstlich hergestellter) Pheromone aus, werden die männlichen Tiere orientierungslos, finden nicht mehr zum Weibchen und die Vermehrung wird behindert.
Die speziellen Dispenser werden verteilt, wenn die männlichen Falter ihre ersten Flüge machen. Auf möglichst großen Flächen ausgebracht, ist diese Methode erfahrungsgemäß sehr zuverlässig. Deshalb haben wir uns mit den Bewirtschaftern benachbarter Anbauflächen zu einer Pheromon-Anwendergemeinschaft zusammengeschlossen.

Übrigens: Die meisten Weine des 2014er Jahrgangs sind bereits abgefüllt, auch die Lagenweine Narrenkappe, Kauzenberg und Krötenpfuhl. Hier haben wir lange mit der Füllung abgewartet, um den Weinen in den Fässern auf der Feinhefe die nötige Zeit zur Reifung und Aromenentwicklung zu geben. Denn je feinfühliger und sensibler man zu diesem Zeitpunkt mit den Weinen vorgeht, desto länger behalten sie ihre Frische und Fülle. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen tollen Frühling!

Mit herzlichen Winzergrüßen

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